Die Lehrerin und zwei Schüler halten unseren Bären und eine Eintrittkarte in die Kamera.

"Michael Kohlhaas"

... ist zur Zeit keine Pflichtlektüre für unsere Deutschkurse - zum Glück.

... kann man sich im Theater Plauen-Zwickau in dieser Spielzeit anschauen und das ist noch viel besser.

Unsere 13er des Beruflichen Gymnasiums ließen sich heute darauf ein und bekamen viel mehr als gedacht.

Das Auf und Ab der Welt schaukelte schon durch die Kleine Bühne, während alle nach "Passschein, bitte!" mit dem Zeigen ihrer Eintrittskarte Einlass fanden. 

Michael Kohlhaas, "einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit", wurde im Verlauf von 90 Minuten in seiner Widersprüchlichkeit erfasst.

"Dieser außerordentliche Mann würde [...] für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können", wenn nicht "ungeheuerliche Zufälle" ihn immer wieder in Grenzsituationen gebracht hätten. So nahm er nach dreimaliger Abweisung seiner Klage Rache ... für geschundene Pferde, einen misshandelten Knecht und den Tod seiner Frau. Seine Forderungen waren klar: Wiederherstellung (der Gesundheit/Stärke) seiner Pferde, Entschädigung für den Knecht und Bestrafung des für alle Misshandlungen verantwortlichen Junkers.

Selbst "die Kraft der Lisbeth", seiner Frau: ihre Botschaft, keine Rache zu nehmen, verhinderte nicht Zerstörung und Morde. Auch die christlichen Gedanken Nächstenliebe und Vergebung führten nicht zur Aufgabe der Verfolgung des Junkers ... Kohlhaas' "Rachegeist" war bis zum Eingreifen Luthers unaufhaltbar.

Aber auch eine Liebesgeschichte in Verbindung mit der (unwahrscheinlichen) Wahrsagerin, das Thema "Revolutionär (Thomas Müntzer) für eine bessere Sache" oder ein wirkliches Tauziehen mit Luther erlebten wir.

Zahlreiche Aussagen wie z. B. "Unrecht wird durch Unrecht nicht zu Recht gemacht" oder über die Nähe von Unwahrscheinlichem und Wahrheit oder Begriffe wie "Okularinspektion" sensibilisierten für Details.

Und von der "musikalischen Geräuschkulisse" könnten wir auch noch schwärmen ... oder über die Elemente des epischen Theaters plaudern ..., aber das lassen wir. Schaut euch das Stück unbedingt selbst an.

Wer wissen möchte, inwiefern "Nein! Doch! Oh!", rote Fadenbündel, eine provisorische Weltregierung, Utopien, "Vorwärts und nicht vergessen" ("Solidaritätslied") oder "Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?" zusammenpassen mit Kleists Stück, der muss sich auf den Weg machen ins Theater Plauen-Zwickau.

DANKE  für diese großartige Umsetzung von Kleists Text und das viele Denkmaterial.